Eine typische Teetied

Vorab gesagt: der Tee wird nicht getrunken, um den Durst zu löschen, sondern um eine bestimmte Atmosphäre zu schaffen...

Die Teetied schließt auf Gastfreundlichkeit und Gemütlichkeit. Mit einer Teezeremonie heißen wir willkommen. Es handelt sich dabei nicht um eine touristische Höflichkeit, sondern um gelebtes Kulturgut. Es lohnt sich, einzelne Abschnitte der Zeremonie abzuwarten, denn dadurch erschließen sich die ostfriesischen Sitten und Gebräuche.

Etwas umständlich ist die Handhabung der silbernen "Kluntjezange". "Kluntje" ist die Bezeichnung für die großen Zuckerwürfel, die traditionell zum Teetrinken verwendet werden. Eine langjährige Übung im Umgang mit der "Kluntjezange" bedarf es schon, um die kritische Distanz zwischen "Kluntjepott" und Tasse ohne Verluste zurückzulegen. Wenn diese erste Hürde genommen ist und alle Tassen mit einem "Kluntje" bestückt sind, wird der Tee, der mindestens 5 Minuten gezogen haben sollte, vorsichtig in die Tassen eingegossen. Hört man nun das Knacken des "Kluntje", weiß man, dass der Tee heiß genug war.

Doch beim Einschenken ist zu beachten, dass die Tasse allenfalls halb voll gegossen werden darf, damit noch eine Spitze des Kluntjes aus dem braunen Getränk herausragt. Um diese Spitze legt der Teekenner mit einem Sahnelöffel ("Rohmlepel") behutsam eine dicke Sahnewolke ("Wulkje"), die sich nun langsam ausbreitet und in der Tasse versinkt. Diesen Moment sollte man seine ganze Aufmerksamkeit schenken!

Aber Stopp! Der Griff zum Teelöffel, der sich auf der Untertasse befindet, ist verboten! Der Teelöffel ist nämlich nicht zum Umrühren gedacht, denn Tee trinkt ein echter Ostfriese ungerührt. Der Teelöffel dient nur dazu, ihn in die Teetasse zu stellen. Dies ist das Zeichen für den Gastgeber, dass man keinen Tee mehr trinken möchte.

Das Sprichwort: "Dreimal ist Ostfriesenrecht" entspricht einer typischen Teezeremonie, denn dreimal darf sich das Procedere wiederholen, bis zum Zeitpunkt, wo der Teelöffel zum Einsatz kommt. Den Genuss einer Tasse Tee beschreibt man übrigens so: Sanft, bitter und am Ende zuckersüß!